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...mit einem bedingungslosen Grundeinkommen machen? Teil 3

In letzter Zeit war ich bei einigen Diskussionsveranstaltungen zum „bedingungslosen Grundeinkommen“. Was mir daran jeweils sehr gefallen hat, war, dass die Idee des „bedingungslosen Grundeinkommen“ die wunderbare Gelegenheit bietet, verinnerlichte und dressierte Selbstverständlichkeiten konkret zu hinterfragen, ohne dabei in die Gewalttätigkeit sendungsbewusster Utopien zu verfallen. So ist es etwa mit dem „bedingungslosen Grundeinkommen“ möglich, die enge Koppelung, die zwischen einem „gelingenden Leben“ und Erwerbs- bzw. Lohnarbeit besteht, zumindest zu lockern. Diese Koppelung, die Lohnarbeit zum Zweck des Seins erklärt, führt nicht nur dazu, dass andere Formen von Arbeit entwertet sind, sondern erschwert – und verunmöglicht vielfach – auch die politische Partizipation und Wirksamkeit vieler v.a. marginalisierter und systematisch diskriminierter Gruppen. Gerade konsensdemokratische Prozesse der Meinungsbildung und Entscheidungsfindung sind – das haben nicht erst die „Bildungsproteste“ des vergangenen Herbsts gezeigt – weitestgehend beschleunigungsresistent und damit weder kompatibel mit mainstream-medialen Spektakel- und Überbietungslogiken, noch mit steigender Wettbewerbs- und Flexibilisierungsbelastung am weiten Feld der Lohnarbeit. Um die Eigenzeit der Konsensdemokratie behaupten zu können, um gesellschaftliche Teilhabe aller gewährleisten zu können, bedarf es einer profunden materiellen und zeitlichen Basis für eben jene wirklich alle. Hier könnte das „bedingungslose Grundeinkommen“ hilfreich sein. Der leicht regierbare homo oeconomicus innerhalb des „Erwerbsarbeitsregimes“ der Postdemokratie könnte dadurch politisch wirksamer und angenehm ungemütlicher werden. Demgemäß würde ich, wenn ich bedingungsloses Grundeinkommen beziehen würde, wohl dem politischen Wesen in mir mehr Zeit widmen (können), mehr mit Leuten fernab der Lohnarbeit reden, sicherlich auch mehr Fußball spielen, mehr in Hängematten baumelnd nicht-wissenschaftliche Literatur lesen usw. Ich könnte mir bei all diesen Aktivitäten sicherer sein, dass sie nicht ökonomisch motiviert sind. Denn selbst wenn ich jetzt, in meiner immer noch privilegierten Position als Angestellter an einer Bildungsinstitution, versuche, mein Leben stärker danach auszurichten, als gäbe es das „bedingungslose Grundeinkommen“ bereits (was ich als Korrektiv und Arbeitshypothese schon spannend finde), steht dies unter dem Verdacht, indirekt dann doch auf ein Ich-AG-Lebenslauf-Ranking orientiert zu sein. Zumal es in einer entgrenzten Lohnarbeitswelt schwierig ist, überhaupt ein Jenseits des Erwerbsarbeitssoges zu behaupten. Darin sehe ich einen Kern des Rufes nach „Freiheit statt Freizeit“.



online seit 27.05.2010 10:34:25 (Printausgabe 50)
autorIn und feedback : Jakob Krameritsch




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