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  Becoming Digital 0x03

Interpretation

Die Digitalisierung von Material erzeugt zunächst nur eine lange Bitfolge, eine Reihe von An-/Aus-Zuständen bzw. in einer ersten Interpretation eine Reihe von Einsen und Nullen. Letzteres ein beliebtes Motiv in Filmen, wenn es darum geht, Computertätigkeiten darzustellen. Diese Bitfolge ist im Falle einer Digitalisierung der technische Ausdruck einer Vermittlung zwischen physischem Objekt und der vereinheitlichten Darstellung am Computer. Die Eins und die Null stellen quasi die grundlegenden Bausteine des Digitalen dar. Nichtsdestotrotz sind sie weit davon entfernt, einen neutralen Zustand auszudrücken. Denn ohne eine Anleitung, wie eine Bitfolge zu interpretieren ist, ist diese weitgehend sinnfrei. Es braucht also zusätzlich Programme, die nach vorgegebenen Regeln Daten erstellen, und solche, die diese Daten anschließend auswerten können. Dies ist der Ort, an dem sowohl politische als auch ökonomische Interessen auf den Plan treten. So ist es kein Zufall, dass die Unternehmen, die große Bereiche des Internet bestimmen, am Kapitalmarkt so hoch bewertet werden. Welches Geschäftsmodell dabei auch immer zugrunde liegt, die Hauptsache ist die möglichst alleinige Verfügung über Erstellung und Interpretation von Daten.

Wobei eine erfolgreiche Interpretation von Daten zugleich eine ist, die transnational anwendbar ist. Bedeutet dies für Unternehmen die Erschließung neuer Märkte und die Vergrößerung ihrer Datensammlungen, so haben politische Akteur_innen oft das Interesse, gemeinsame Regeln für den Austausch und die Weiterverarbeitung von Daten zu definieren. Das mag zunächst eine idealistische Darstellung sein, aber in vielen Bereichen – wie den Digital Humanities – ist die Einigung auf verlässliche Standards für die Interpretation von Daten ein zwingend nötiger Schritt. Denn es gibt gute Gründe dafür, dass die nach eigenen Regeln aufgebaute und in sich abgeschlossene Datensammlung eine dauerhafte und nachhaltige Nutzung erschwert.

Zugleich verspricht die Einigung auf Standards die Herstellung von Interoperabilität. Das ist die möglichst bedingungslose Zurverfügungstellung und Weiterverwendung von Daten durch beliebige Programme und in allen erdenklichen Kontexten. Für die Forschung verspricht dies einen großen Vorteil, auch weil damit der Fokus auf die Daten gelegt wird und weniger auf die Programme, mit denen diese zu interpretieren sind. Eine treibende Kraft hinter solchen Entwicklungen ist die Deutung des Internet als eine Wiedergeburt der Großen Bibliothek von Alexandria. Mit gebotener Vorsicht kann dies als ein humanistischer Gegenentwurf zur Vorstellung des Internet als einer großen Einkaufsstraße gesehen werden.


online seit 31.05.2017 16:19:36 (Printausgabe 78)
autorIn und feedback : Klaus Illmayer




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