![]() |
| |
|
|
||||
| |
||||||
|
Einmischungen Eine neues Buch liest die Studierendenbewegung mit Antonio Gramsci ANTONIO GRAMSCI, DESSEN THEORIE immer wieder begeistert rezipiert wird und in den letzten Jahren gerade in den Bildungswissenschaften aktualisiert wurde, ziert auch das Cover des vorliegenden Bandes. Mit ihm wird die Studierendenbewegung „unibrennt“ gelesen, die sich im Oktober 2009 formiert hatte. Ihre AkteurInnen überraschten mit dezentraler Organisation, ihrem sozialpolitischen Engagement und einem gewandten Umgang mit neuen und etablierten Medien. Eine Analyse der reichweitenstärksten Online-Informationsportale (orf.at, krone.at, derstandard.at und diepresse.com) von Stefanie Schürz und Julia Zeeh kontrastiert jedoch die ungewöhnlich wohlwollende Aufnahme, etwa durch die orf-Nachrichtenformate. Doch auch sie fassen als positives Resümee ihrer Untersuchung „die Tatsache, dass die Proteste eine breite öffentliche Diskussion um die Definition und die Bedeutung von (Hochschul-)Bildung hervorgebracht haben, die unterschiedlichste Trends der letzten Jahre bewusst machen und in Frage stellen, und so nach Hall einen ,Kampf im Diskurs‘ entfachen konnten, der unabhängig von seiner letztlichen Wirkung wünschenswert ist.“ Die LeserInnen mögen sich gerne an der „konkreten Analyse einer konkreten Situation“ (Lenin) beteiligen. In einigen Beiträgen werden die jeweiligen theoretischen Vorlieben und Zugänge gekonnt dargestellt, der eigentliche Gegenstand nimmt hingegen deutlich weniger Raum ein. Wenn sich Stefanie Girstmair und Lukas Hofstätter unter dem Titel „Katharsis und Kritik“ zentralen Begriffen von Gramsci und Foucault (Hegemonie, Macht) widmen, wäre etwas mehr „Licht“ auf „die Geschehnisse im und um das Audimax“ gut, denn ihre klugen Erkenntnisse könnten in elaborierter Form zu mehr Freude, Imitation und Adaptierung anregen. EINER DER HERAUSGEBER, Ingo Lauggas, baut seinen inhaltlichen Beitrag auf dem Begriff des Intellektuellen bei Gramsci, Sartre, Bourdieu u. a. m. und wünscht sich mit Stuart Hall eine „engagierte Wissenschaft“, die „organische Intellektuelle“ hervorbringt. Das politische Engagement der Studierenden war spontan und vielfältig gegeben, ihre Sorge galt jedoch ihrer intellektuellen Förderung, die im universitären Rahmen vernachlässigt wird. Dass sie ihre Fertigkeiten der Organisation und Artikulation politischer Forderungen in einem System zunehmender Prekarisierung kultivierten, das auch hilfreiche Formen der Dissidenz hervorbringt, beschreibt Mario Becksteiner ausgehend von einem Spruch in der Volxküche des Audimax: „Jede Revolution beginnt mit einem Auflauf!“ Er betont neben „strukturellen Momenten“ jene „Momente überschüssiger Subjektivität gegenüber den gesellschaftlichen Restriktionen und Zwängen“, die gerade in den Protesten deutlich wurden. Neben eher lächerlichen Versuchen, Wissen als Ware messbar zu machen und den damit einhergehenden Prozessen psycho-physischer Zurichtung, zeigt er alltägliche Weisen von Devianz und Eigensinn universitärer AkteurInnen. Die neoliberal gewendeten Begriffe von Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis werden in einem kollektiven Prozess wieder zur Beschreibung einer emanzipatorischen Praxis tauglich. Julia Hofmann fasst sieben Elemente emanzipatorischer Erfahrungen der „unibrennt“-Bewegung und zeigt darin auch den Mut zur Weiterführung und Wiederholung. Ergänzend zu den Protesttexten werden einige Positionen von Gramsci-KennerInnen versammelt, die zwar nicht immer die Studierendenbewegung im Blick haben, aber doch wertvolle Begriffsklärungen bieten. Wer hingegen kein besonderes Interesse an der Situation der Studierenden an der Universität Salzburg in den späten 1970er Jahren hat, kann die Vorrede mit Kurt Palm getrost überspringen. Literatur Elisabeth Mixa, Ingo Lauggas, Friedhelm Kröll (Hg.): „Einmischungen. Die Studierendenbewegung mit Antonio Gramsci lesen“, Turia + Kant, Wien-Berlin 2011 online seit 02.12.2011 17:20:16 (Printausgabe 55) autorIn und feedback : Heide Hammer |
|
Ganz ohne Retter dann doch nicht? Zu den Begleiterscheinungen weiblicher Sitcom-Stars [16.04.2012,Sarah Binder] Serien sehen Wieso sollen in einer schlechten Welt ausgerechnet TV-Serien gut sein? [16.04.2012,Redaktion] WORKING ON WONDERLAND Review von „Bitches, Butches, Dykes & Divas“, dem neuen Album von Sookee [14.03.2012,Rosina Brunner] die vorigen 3 Einträge ... die nächsten 3 Einträge ... |
|||
![]() |