menueleiste1
home archiv suche messageboard abo hier gibts malmoe feedback alltag verdienen regieren widersprechen funktionieren tanzen erlebnispark
  Auf dem Weg nach Europa!

THE REAL CRIME INC PRESENTS: Die geheimnisvollen Fälle des Inspektors Zwezler und seines Partners Moik

Der Inspektor Zwezler hastete die Stiegen hoch. „Wie war das nochmal? Zuerst einen kräftigen Tritt gegen die Tür, dann die Pistole aus dem Halfter holen, Tür aufschlagen, mit einer Hechtrolle vorwärts in den Raum stürzen und dann …“

„Grüß Sie Herr Inspektor, wohin des Wegs?“ „Zum Moik!“ Ohne weitere Rücksichtnahme auf die Kollegin setzte der Inspektor zu einem Sprint an und nahm gleich mal zwei Stufen auf einmal. Es war auch ein Pech, dass er gerade ganz unten in der Kantine war, als ihm der Moik die Notfall-SMS schickte. „Alarm, Alarm, Herr Inspektor. Kommen Sie schnell in den Festsaal.“ Darum die Eile, denn er musste nun von ganz unten nach ganz oben in den vierten Stock, dort befand sich der Festsaal. Hoffentlich komme ich noch rechtzeitig, dachte er, als er sich gerade wieder am Stiegenabsatz befand und grüßend und verbeugend weiter auf den Weg in den zweiten Stock machte. Er hätte natürlich auch den Lift nehmen können, aber er wusste nur zu gut aus eigener Erfahrung, dass Lift nicht unbedingt bedeutet, dass man schneller oben ist.

Einmal, es war recht zu Beginn seiner Kriminalistikkarriere, da hatte er ebenfalls einen Notfall, ein Kollege wollte sich vom Dach stürzen, als er erfahren hatte, dass seine Frau sich gerade auf dem gegenüberliegenden Hausdach befand, um sich von diesem hinab zu stürzen. Als psychologisch bestens geschulter Inspektor hatte man ihn natürlich als ersten informiert. Zufälligerweise war er damals auch gerade in der Kantine und mit seiner Nachspeise beschäftigt. Tiramisu. Es war wirklich köstlich. Das Kantinen-Tiramisu war damals wirklich legendär. Bekannt in allen Verwaltungseinrichtungen und Ministerien der Stadt. An manchen Tiramisutagen musste man sich stundenlang anstellen, um eines zu ergattern. Jedenfalls rannte er damals, nachdem er den Notruf erhalten und das Tiramisu schnell heruntergeschlungen hatte, zum Lift. Dieser kam auch relativ bald, jedoch war es leider so, dass der Lift, wie so oft, zunächst in den Keller fuhr, anschließend zwar in den dritten Stock, doch anstatt weiter nach oben vorzustoßen, wieder runter ins Erdgeschoß. Dort wartete schon eine ganze Horde, die sogleich in den Lift drängte und im Nu waren alle möglichen Stockwerke gedrückt, nur das Dachgeschoß nicht. Irgendwann platzte ihm schließlich der Kragen und damals, seltsamerweise kam dem Inspektor dieses gerade jetzt in den Sinn, stieg er bei der nächsten Gelegenheit mit einem lauten: „Schönen Tag noch und ich wünsche Ihnen eine gute Fahrt mit diesem Flaschenzug!“ aus. Wie er erkennen konnte, war er zumindest im 1. Stock gelandet. Anschließend mühte er sich zu Fuß die Stockwerke hoch. Leider kam er zu spät. Unterwegs begegnete er dem Moik, der gerade von oben runter kam. Der junge Moik schaute ja damals aus wie der leibhaftige Kottan mit seiner Lederjacke und meinte: „Sie brauchen nimma weiter, Herr Inspektor. Der Kollege ist schon vor einer Viertelstunde runter.“

Nein, so etwas soll nie mehr passieren, dachte sich der Inspektor. Aber was, wenn der Moik ebenfalls nicht mehr … ? Der kalte Schauer lief ihm herunter und zu allem Überfluss bemerkte er, dass er schon eine Weile nicht mehr lief, sondern vollkommen außer Atem auf einer Stufe saß. „Nein! Niemals!“, rief sich der Inspektor aufputschend zu und stürzte weiter hinauf in den dritten Stock, griff im Laufschritt unter seine linke Sakkoseite. Wo ist die Pistole?, dachte er sich. „Verdammt, wer hat mich so hinterrücks entwaffnet?“ Irgendjemand musste dem Inspektor während des Hinauflaufens die Pistole aus dem Brusthalfter gezogen haben. Jedoch nicht nur die Pistole, der ganze Brusthalfter war weg. Welch’ übler Trick!, dachte sich der Inspektor. Doch in dem Moment erinnerte er sich, dass er den Brusthalter vor dem Abgang in die Kantine ganz lässig über seine Stuhllehne gehängt hatte. So wie der Sheriff in Das dreckige Dutzend. Was mache ich nun?, dachte er sich, doch da ertastete er in seiner Sakkoinnentasche ein Feuerzeug. „Ob das reichen wird? Wenn es nicht mehr als zwei Personen sind, könnte es klappen“, sprach er sich voller Zuversicht den Mut der Verzweiflung zu. Mit dem Feuerzeug in der rechten Hand und einem unterwegs gefundenen Kugelschreiber stand Inspektor Zwezler nun vor der Festsaaltür im vierten Stock. Er lauschte. So … Tür auftreten, Kugelschreiber drücken, mit einem Hechtsprung rein, Deckung suchen, … „Moik, ich komme!“ schreien und alles weitere wird sich ergeben. Doch während der Inspektor weiter lauschte und sich die Abfolge des Überraschungszugriffs durch den Kopf gehen ließ, kam plötzlich der Kollege vom Rechtsextremismus um die Ecke. „Ah, der Herr Kollege Zwezler!“, klopfte ihm auf die Schulter, riss die Tür auf und schob den Inspektor vor sich in den Festsaal.

Weiter geht’s im Debütroman von The Real Crime Inc Auf nach Europa! Die geheimnisvollen Fälle des Inspektors Zwezler und seines Partners Moik, kürzlich bei Bahoe Books erschienen.

online seit 31.05.2017 14:58:17 (Printausgabe 77)
autorIn und feedback : The real crime inc




Must-See-Movies im Sommer

Empfehlungen aus dem Programm der Wiener Open-Air-Kinos
[28.08.2017,Jannik Eder, Adrian J. Haim]


Reflexe und ­Gegenreflexe

Kaum ein Buch wird aktuell so viel diskutiert wie der Band "Beißreflexe. Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten, Sprechverboten". Richtige und wichtige Fragen führen aber nicht zwangsläufig zu guten Antworten. Eine Rezension.
[08.08.2017,Katharina Röggla]


Das Denken ohne Grenzen ist in ­Gefahr

Didier Eribon, französischer Soziologe und derzeit vielfach diskutierter Autor, im Interview
[05.07.2017,Pascal Jurt]


die nächsten 3 Einträge ...
 
menueleiste2
impressum kontakt about malmoe newsletter links mediadaten