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  Identitätsfalle

Wie soll die Welt begriffen und verstanden werden, ohne dass ihre Bestandteile benannt und eingeordnet werden?

Manchen Fallen ist schwer zu entkommen. Identität und den Prozess des Identifizierens aufzugeben, scheint zunächst aussichtlos. In der Identifizierung könnte sogar ein Trost und eine Chance auf die Überwindung von Widersprüchen liegen. Dies ist trügerisch. Ein Gefühl der Zugehörigkeit wird teuer erkauft, denn eine falsche Synthese fordert mit der Einordnung zugleich die Unterordnung.
Diedrich Diederichsen versuchte den gordischen Knoten der Identität clever zu durchschlagen, indem er dem letztjährigen Wiener Galerienfestival den frechen Titel gab: „Meine Herkunft habe ich mir selbst ausgedacht“. Leider zeigt sich möglicherweise selbst noch hier, wie im Versuch der Ablösung die Macht des Abzulösenden bestätigt wird und die Fluchtlinie an den Ausgangspunkt der Flucht geknüpft bleibt: So lange wir uns eine Herkunft ausdenken müssen, sind wir die grundfalsche Frage nach unserer Identität noch immer nicht los. Das Phantom der Identität überdeckt die schöpferische Tat des Ausdenkens und lässt die imaginierte Vergangenheit als ein faktisches Erbe erscheinen.

Aber ist dies nicht ein Irrtum? Sind nicht Vergangenheit und Zukunft die beiden „Erfindungen“, die aus einer möglichst klar und differenziert aufgefassten Nicht-Identität entstehen? Die Frage nach einer Identität hingegen wirkt oft wie Fliegenleim, der eine vormodern, undifferenzierte Eindeutigkeit des Vergangenen vorgaukelt und die Individuen an diese zu ketten versucht. MALMOE hat sich vorgenommen einmal an der Wurzel anzusetzen und aus verschiedenen Perspektiven den Identitätskram mit Stumpf und Stiel auszureißen – allein um die immer zahlreicher werdenden Rechten und rechten Linken zu ärgern. Und zugleich denen, die an den übermächtigen Schwierigkeiten zu verzweifeln meinen, zuzurufen: Behaltet die Nerven! Die Situation ist viel komplexer als uns die „Identifizierenden“ weiß machen wollen und wenn es gelingt die Komplexität einer Nicht-Identität aufrecht zu erhalten, dann bleiben Freiheitsfähigkeit und Möglichkeit zur Selbstbestimmung gewahrt.

Ein Schwerpunkt mit folgenden Texten:

Seltsame Souveräne
Konsequent emanzipatorische und internationalistische Perspektiven sind in Gefahr meint Frank Jödicke

„Islamkritik“ in Hochzeiten des Rechtspopulismus
Julia Edthofer schreibt warum sich linke Debatten zu Islamismus, islamisiertem Antisemitismus und „dem Islam“ ändern sollten

Leben ist kein Schicksal
Gianluigi Segalerba über Amartya Sens Kritik der absoluten Identität




online seit 10.06.2017 14:32:58 (Printausgabe 78)
autorIn und feedback : Redaktion




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[10.04.2017,REDAKTION]


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